Gemeinde - Geschichte



HISTORISCHES

Erste stumme Zeugen aus der Dorfgeschichte von Schwaderloch sind Funde aus dem 4. Jahrhundert nach Christus. Beim Bau der Eisenbahnlinie Koblenz-Stein fand man eine in eine Steinplatte gehauene Inschrift, die besagt, dass in dieser Gegend zur Zeit des römischen Kaisers Valentinian (364-375 n. Chr.) Burgen zum Schutz gegen den Einfall der Alemannen erbaut worden seien. Weitere Funde sind römische Münzen, Schnallen und Bruchstücke von Tongeschirr aus jener Zeit.

Schwaderloch

Später gehörte die Gemeinde Schwaderloch zur vorösterreichischen Grafschaft (sie wird erstmals als "Swatterlo" um 1318 in einem Lehenverzeichnis der Grafen von Habsburg-Laufenburg erwähnt) und unterstand der Gerichtsbarkeit der Freiherren von Roll zu Bernau.
 

KIRCHLICHES

Kirchlich gehörte Schwaderloch bis 1788 zur Pfarrei Leuggern. Durch Verfügung der Oberwaldvogtei Waldshut vom 16. Mai 1788 wurde die Gemeinde der Pfarrei Mettau und nach Errichtung der neuen Pfarrei Leibstadt mit Dekret vom 16. November 1880 gegen eine Loskaufsumme von 12 000 Franken dieser zugeteilt. Die älteste Kapelle stand südlich des Schulhauses am Berghang. Im Jahre 1830 baute die Gemeinde ein neues Gotteshaus. Und am 27. Oktober 1928 segnete Domherr und Dekan Pfyffer die dritte Kapelle ein. Seit 1956 ist Schwaderloch eine selbständige Pfarrei mit einer neuen Pfarrkirche, ausgebaut aus der seinerzeitigen dritten Dorfkapelle.


LAGE

Das "alte" Schwaderloch liegt wie das Nachbardorf Etzgen auf einem schmalen Rest der Niederterrassen und hat deshalb wie jenes nur eine Strasse und zwei Häuserzeilen. Der topographischen Gegebenheiten wegen verläuft sein Ausbau anders als der von Etzgen. Während dieser Hang aufwärts wächst, dehnt sich das neue Schwaderloch am Fusse der Terrasse an der Landstrasse und jenseits der Bahnlinie in die Rheinebene aus. Im Rossgarten am Rhein wächst der einzige Auenwald des Fricktals.

Gemeindehaus

Halbwegs zwischen dem Rossgarten und der Station Schwaderloch befindet sich am Rand eines alten Rheinlaufs die Ruine des spätrömischen Wachtturms "oberes Bürgeli". Die Grundmauern einer zweiten Warte, des "unteren Bürgelis", stecken noch im Boden. In beiden Ruinen verbargen sich zu Anfang des letzten Weltkrieges Stellungen der in Schwaderloch stationierten Grenzschutzkompanie. Besucher des Büros dieser Kompanie trauten jeweils ihren Ohren kaum, wenn sie auf die Frage, wo der Kommandant sei, zur Antwort erhielten: "Der Kommandant ist im Himmel." Der Himmel ist nämlich ein Stück offenen Landes hoch über dem Dorf, das der besagten Kompanie als Übungsplatz diente. Zu diesem Himmel passt es ganz gut, dass ein Gasthof im Dorf "Zum Engel" hiess.        


BEVÖLKERUNG

Die ersten Einwohner waren zweifellos vorwiegend über den Rhein eingewanderte Alemannen. Sie standen schon früh in direkter Beziehung zur Freiherrschaft Bernau, deren Knechte und Kohlenbrenner sie waren, woher die Geschlechter Knecht und Kohler stammen, die mit anderen wie Hug, Vögeli, Häusler und Kalt zu den ältesten zählen.


ERWÄRBSTÄTIGKEIT

Ursprünglich wurde vorwiegend Landwirtschaft betrieben. Später stellt man für das kleine Dorf relativ viele Handwerker fest, so zählte man Mitte des 19. Jahrhunderts sechs Nagelschmieden mit je etwa drei bis vier Arbeitern; des weiteren Schneider, Schuhmacher, Schreiner, Leinenweber u. a., welche in der Umgebung geschätzt und gesucht waren. Ihr Taglohn bei rund 15stündiger Arbeit lag damals zwischen 40 und 80 Rappen. Durch die Inbetriebnahme der Papierfabrik Albbruck im Jahre 1872 trat ein gewaltiger Umschwung ein. Wer zu entbehren war, verliess Werkstatt oder Bauernhof und trat in die neue Fabrik ein, wo der Taglohn je nach Arbeit einen bis drei Franken betrug. Die Fabrik schätzte die Schweizer als tüchtige, fleissige und zuverlässige Arbeiter und viele nahmen bald bestbezahlte Stellen als Aufseher, Werkführer, Schreiber u. a. ein. Überhaupt fanden die Schwaderlocher "ennet" der Landesgrenze lange Zeit ihre Arbeit. Erst mit der Entwicklung der Motorisierung wird dem Verdienst bis in die Räume Zurzach-Baden-Brugg-Stein und vereinzelt darüber hinaus nachgegangen. Mit der Zonenplanung konnte man teilweise einheimisches Gewerbe ansiedeln.


KULTUR & FREIZEIT

Das Vereinsleben in Schwaderloch ist sehr vielseitig. Rund 13 Vereine tragen dazu bei, die Dorfgemeinschaft zusammenzuhalten. Sie haben zwar alle, bei einer Bevölkerungszahl von knapp 700 Einwohnern, mit Nachwuchsproblemen zu kämpfen. Die Vereine helfen sich gegenseitig und sind durch die Vereinigten Vereine organisiert.


Boot


ENTWICKLUNG BIS HEUTE

Die Infrastrukturaufgaben der Gemeinde wie Wasserversorgung, Schule, Kindergarten, Gemeindehaus und Mehrzweckhalle sind bis heute gelöst. Schwaderloch war eine der ersten Gemeinden, welche eine mechanische Kläranlage betreiben konnte, doch genügt diese den heutigen Anforderungen bei weitem nicht mehr, weshalb ein Teil der neuen Abwasseranlagen vor kurzem realisiert werden konnten. Der Wunsch aller ist es, Schwaderloch in seiner Eigenart als Dorf zu erhalten. Finanzielles: Vor Jahrzehnten hat Chronist Lehrer Richard Kohler folgendes Zitat Schillers einmal für die Schwaderlocher als zutreffend bezeichnet: "Arbeit ist des Bürgers Zierde, Segen ist der Mühe Preis". Was wollte er damit sagen? Man hat gern gearbeitet und zu seinem Sparbatzen Sorge getragen. Schon früh wurde der Verdienst ausnahmslos angelegt, hauptsächlich in Land, aber auch in Neu- und Umbauten von Häusern. Dadurch veränderten sich die Verhältnisse im Dorf, und ein bedeutender Aufschwung trat ein.


POLITISCHES

Organisierte Parteien bestehen in Schwaderloch nach wie vor nicht. Seit Jahrzehnten wird Sachpolitik betrieben. In den letzten Jahren war es auch zunehmend schwierig geworden, Kandidaten für die kommunalen Ämter zu finden. Die Stimmbürger haben schon immer aktiv am Dorfgeschehen teilgenommen und bei Sach- und Wahlentscheiden ein klares Verdikt gesprochen. Dies immer im Bestreben, der engsten Heimat zu dienen, sie fortschrittlich zu gestalten sowie in Ruhe und Frieden zu erhalten.
Quelle: Die Aargauer Gemeinden 1991, Verlag Effingerhof, Brugg